Heute ist Internationaler Frauentag. Warum brauchen wir diesen Tag? Sind wir Männer daran Schuld? So traurig es auch klingt, muss ich die Frage mit Ja beantworten. Viele Männer glauben, die Frau sei das schwächere Geschlecht. Deshalb könne man die Frau als Hausfrauen, Dienstmädchen oder Belustigungsobjekt behandeln und sie schlechter bezahlen. Solche Gedanken stimmen mich wütend.
Montag, 8. März 2021
Gedanken zum Frauentag
Montag, 1. März 2021
Wie hat sich mein Leben durch Corona verändert?
Nach 10 Jahren Performances kam es mir gelegen, Zeit zu haben, um etwas Neues zu entdecken und auszuprobieren. Fast zeitgleich lernte ich einen lieben Menschen kennen, der mich mit viel Liebe und Ausdauer in die Welt der Musik hineinführte. Inzwischen staune ich selbst, was ich alles gelernt habe. Ich nehme meine Körper und die Musik anders wahr. Ich bin innerlich ruhig und glücklich.
Der Lockdown erinnert
mich an die Zeit, wo ich auf dem Dorf bei meinen Eltern gewohnt habe.
Vormittags beschäftigte ich mich irgendwas, nachmittags fuhr ich mit dem Erolli
spazieren und am Abend im Internet surfen. So bin ich wieder zur Ruhe gekommen.
Trotzdem hat mich
Corona verändert.
Aufgrund meiner
Schwerhörigkeit verstehe ich Menschen mit Masken nicht. Der Ohrenarzt hat mir
eine Befreiung ausgestellt. Es ist sogar deutschlandweit geregelt, dass
Begleitperson von Schwerhörigen von der Maske befreit sind. Aber es wird von Pflegedienst
und einigen Leuten ignoriert. Durch das Tragen von Masken fällt sogar die
gemeinsame Mahlzeit weg. Ist das der Beginn des Roboterassistenten?
Zum Glück habe ich
nette Menschen gefunden, die meine Situation verstehen. Das stimmt mich froh.
Corona hat es auch
geschafft, dass Menschen ihre Gesichtsmasken ablegen. Da staunt man nicht
schlecht was für ein Mensch dahinter steckt. So habe ich mich leider von „alten
Hasen“ getrennt.
In
November musste ich in Quarantäne, weil ich eine Assistentin Corona hatte. Zu
Hause bleiben zu müssen, fand ich nicht so schlimm. Aber die Maßnahmen, welche
mir vom Pflegedienst auferlegt wurden, haben mir das Gefühl gegeben, unschuldig
im Gefängnis zu sitzen.
Sicher müssen wir
vorsichtig sein. Keine Frage. Aber man sollte schauen, was ist angemessen.
Auch mein Verhalten
beim Einkaufen hat sich verändert. Zum Glück habe ich einen Laden gefunden, wo
ich gern einkaufe. Ansonsten bestelle ich alles per Internet. Da fühle ich mich
freier.
Corona hat mich auch
zu einem anderen Mann werden lassen. Aufgrund meiner Schwerhörigkeit ziehe ich
mich immer mehr aus größeren Treffen und Zooms zurück. Es streng meine Ohren zu
sehr an. Ich lebe glücklich in meiner kleinen Welt und freue mich, dass ich
mich liebe Freunde und Assistenten mich liebevoll begleiten. Das schätze ich
sehr.
Dienstag, 16. Februar 2021
Weiblich oder männlich?
Foto: Sabine Kuhn
Viele Menschen sagen,
ich arbeite hauptsächlich mit jungen Frauen. Das stimmt auch. Und manche Männer
beneiden mich darum. Korrekt.
Ich möchte das Thema
gerne näher beleuchten.
Grundsätzlich arbeite
ich auch gerne mit Männern. Das macht mir auch Spaß. Doch leider haben viele
Männer nicht den Mut mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten. Wahrscheinlich
sind viele Männer zu stolz. So jedenfalls meine Erfahrungen.
Eine künstlerische
Arbeit mit älteren Menschen gibt es leider selten. Ich mag sie sehr, weil sie
eine andere Qualität bietet.
Ich muss oft
schmunzeln, wenn man meint, ich solle Männer mitnehmen auf Reisen. Meine
Erfahrungen zeigen, dass Frauen oft für die Abenteuer besser gewaffnet sind.
Und wer mag mit seinem oberflächlichen Blick beurteilen wieviel Weiblichkeit
und wieviel Männlichkeit Gott in einem Menschen hingelegt hat?
Und zu guter Letzt
habe ich für mich festgestellt, dass die Arbeit mit jungen Menschen mich fit
hält. Ich war schon immer vom Herzen Jugendbegleiter. Und das bin ich bis heute
geblieben.
Die Arbeit mit jungen
Menschen gehört zu mir. Ich würde mir mehr Projekte wünschen mit
unterschiedlichen Generationen und Fähigkeiten, damit die Vielfalt bunter wird.
Montag, 2. November 2020
Te amo (english)
Te amo in Spanish and ti amo in Italian mean I love you. But what kind of love is meant by this? We Germans like to separate friendship and love. We are either friends or in a partnership. And we connect partnership with love. Quite clear! Black and white. No further questions. Amen.
Stop! From my own experience, I’d like to report that there are actually many vibrant colours in between. There is a kind of love that is stronger than friendship but not a partnership. Te amo.
I came to appreciate te amo in South America. A deep and open relationship arose between Domi from Argentina and me. Not a partnership, but way more than a friendship. That means, lovingly letting the other get close to you without immediately thinking of sexuality. I believe this is the key to te amo. Of course, you can’t do it with just anyone. It’s a gift. And if you’re lucky enough to receive te amo as a gift, you should have the courage to embrace it.
I met Domi at a performance workshop. We immediately hit it off. So, I asked the great dancer if we wanted to work together. She said YES straightaway. During rehearsals, Domi and I dealt with each other very openly and freely. Everything flowed naturally and respectfully. I really relished it. When we performed ONE for the first time in January 2015, the spectators were amazed. “Wow, that was great! Such an open and genuine rapport.” That was also the reason why the jury of the International Theatre and Scenic Arts Festival in Seville awarded us first place.
Domi went back to her homeland and invited me to Argentina. In Buenos Aires, we walked down the streets hand in hand and embraced like lovers everywhere. Absolutely normal. Te amo style.
If you are open to gaps between friendship and partnership, you can experience te amo in Europe, Germany or wherever.
In autumn 2016, I met a German dancer in a café. We got on well and wanted to work together. During the first rehearsal, she asked me to show her my solo piece. I was happy to, of course. As I finished my dance, tears were in her eyes. She came over and gave me a kiss on the lips. I was startled and enjoyed it at the same time.
What had happened? When the heart overflows – whether with joy or sorrow – tears flow. And when the heart reigns, we frequently do things the head would often say no to. From this point of view, te amo can also be considered the language of the heart.
Anyone who thinks it only works between different sexes is wrong. I also have a lot of male friendships with a te amo character.
If we dig deeper, we discover more insights.
In the 1990s, I worked as a youth leader at the YMCA in Saxony-Anhalt. Among other things, my task was to give older colleagues a send-off into retirement. So, I organised little parties. And as it goes, you ask what their funniest experience was, etc. To the question, “What would you have wished for?”, 95% replied A HUG. That got me thinking.
While researching, I stumbled upon the book Human Touch by Rebecca Böhme. In it, she explores the importance of hugs and physical proximity. In times of corona, this is frowned upon. But it is nevertheless vital. The book details an experiment where children grew up in isolation and died after a few months.
The subject of te amo continues to occupy me. In April 2019, I had a special experience. I was sitting in the Frauenkirche (Church of Our Lady) in Nuremberg. My companions were looking around the church. I was regarding the stained-glass window at the altar by myself. Suddenly, the window opened for me, and I saw a colourful meadow. A warm wind blew in my face and whispered, “The world needs in-between people. People who are more than a friend and yet not a partner. And you have been given this special talent.” Then the window shut again. I was flabbergasted. Had I been dreaming just now? I asked my companions if they had noticed anything strange. Yes, there had been a sudden warm wind. Wow, then it hadn’t been a dream. And I’d finally received an answer to my question of why I was often more than a friend.
Anyone that doesn’t accept the gift of te amo will be the poorer for it.
Should we accept it? Yes, even Christians should accept it. Why? As stated in 1 Corinthians 13, anything we do without love is useless. We can only bear fruit through love. Secondly, God became human at Christmas. That’s why we don’t need to be more devout than God.
We are allowed to accept love, affection, and hugs.
Te amo.
Sonntag, 18. Oktober 2020
Musikalische Wege
Foto: Ronald Spratte
Im Dezember 2011 verzauberte mich Katrin Glenz mit ihrer
Stimme bei einem Weihnachtskonzert in Berlin. Ich kaufte ihre CD und kann mich
nicht satthören. Mit Musik Menschen zu erfreuen muss etwas Schönes sein, waren
meine Gedanken. Aber ich kann das nicht. Dazu bin ich zu unmusikalisch, zu
behindert.
2012 erschien mein Buch „König Roland“. Im Mai war ich zur
Buchlesung in Frankfurt am Main eingeladen. Warum nicht dazu Katrin einladen?
Das wäre doch eine gute Ergänzung, waren meine Überlegungen. Katrin sagte spontan
zu und es war ein schöner Abend.
Ich fuhr nach Hause mit dem Gedanken „musizieren zu können,
wäre toll“. Seitdem hatten wir kaum Kontakt. Ich ging meinen Weg als Performer
und war glücklich, Menschen mit meiner Kunst zu erfreuen. Meine Karriere ging
steil nach oben. Ich fühle mich als Weltstar.
Im März 2020 musste ich meine Tournee in Brasilien vorzeitig
wegen Corona beenden. Ich hatte das große Glück mit dem letzten Flieger nach
Berlin zurückzukehren.
Und jetzt? Keine Performances? Keine Auftritte? Hm, etwas
Neues muss beginnen. Aber was?
Mein Freund Philo meinte: „Lass uns Videos machen. Die Leute
haben Hunger nach etwas Lustiges.“ So drehten wir lustige Videos und stellten
sie ins Netz. Und wir bekamen viel Resonanz. Für die Videobearbeitung lud ich
mir das Update vom Videoprogramm herunter. Dort war eine kostenlose Version von
MUSICMAKER dabei. Neugierig probierte ich herum. Wow, eigene Musik machen! So
hinterlegte ich die ersten Videos mit meiner Musik. Was für ein Fortschritt.
Ich bin happy. Naja, es ist okay. Viel weiter werde ich nicht kommen. Ich bin
unmusikalisch und dazu noch behindert.
Ich suchte mal wieder einen neuen Assistenten. Philo meinte,
meine Mitbewohnerin Andie könnte gut zu dir passen. Okay, schick sie mal
vorbei, war meine Antwort. Als Andie sich vorstellte, fielen mir sofort ihre
leuchtenden Augen und ihre klare Offenheit auf. Das kann gutgehen, dachte ich.
Aber sie ist Profimusikerin und ich kleiner Musikzwerg. Doch ich wurde des
Besseren belehrt. Zwischen Andie und mir entstand eine tiefe Freundschaft. Wir
reden über alles sehr offen. Ich brauch mich bei ihr nicht verstellen. Nach
einem stressigen Probetag mit einer Tänzerin, schlug mir Andie vor, ins Kino zu
gehen. Das tat gut abzuschalten und sich einfach fallen zu lassen. Apropos
fallen lassen. So ging ich mit der ehemaligen Leistungsschwimmerin ins
Sommerbad schwimmen. Obwohl ich es sehr selten tue, tat es mir richtig gut.
Tja, und eines Tages schleppte mich das Musiktalent zu
Justmusic. Wir probierten dort Verschiedenes aus und ich entdeckte immer mehr
die Freude an der Musik. Boah, so ein weites Feld. Was passt zu mir? Zum Glück
habe ich Andie, die mir hilft, Schritt für Schritt meinen Weg zu entdecken.
Im September hatte ich meinen ersten Auftritt. Unglaublich,
nach 10 Jahren Performances nun ein musikalischer Auftritt.
Durch Corona war mir der Zugang zu meiner Kirchengemeinde
nicht mehr möglich. Wo tanke ich jetzt auf? Wo finde ich meinen Ausgleich?
In der Zeit von Corona produzierte auch Katrin Videos auf
youtube. Ihre Stimme erwärmt immer wieder mein Herz und schenkt mir neue Kraft.
So wurde unser Kontakt neu beflügelt. Darum entschloss ich mich die junge
Sängerin im September zu besuchen. Ihre Ruhe und Freude haben mir neue Kraft
gegeben. Die zweifache Mutter ermutigte mich, bei der Musik auch meine Stimme
zu benutzen. Quatsch, dachte ich, ich mit meiner Sprachbehinderung. Doch, legte
Katrin nach. Deine Stimme ist etwas Besonderes. Okay, ich werde es probieren.
Ich weiß nicht, wie mein musikalischer Weg weitergeht. Aber
ich bin glücklich Engel gefunden zu haben, die mich ermutigen.
Te amo
Foto: Ronald Spratte
Te amo auf spanisch, di amo auf italienisch bedeutet ich liebe dich. Aber welche Liebe ist hier gemeint? Wir Deutschen trennen gern Freundschaft und Liebe. Entweder sind wir befreundet oder in einer Partnerschaft. Und Partnerschaft verbinden wir mit Liebe. Ganz klar! Schwarz und weiß. Keine weiteren Fragen. Amen.
Stop! Ich möchte aus meinen Erfahrungen berichten, dass
dazwischen noch viele leuchtende Farben liegen. Es gibt noch eine Liebe, die
stärker ist als eine Freundschaft, aber doch keine Partnerschaft. Te amo.
In Südamerika habe ich Te amo schätzen gelernt. Zwischen Domi
aus Argentinien und mir entstand eine tiefe und offene Beziehung. Keine
Partnerschaft, aber weit mehr als eine Freundschaft. Das bedeutet, liebevoll
den anderen an einem heranlassen oder dabei gleich an Sexualität zu denken. Ich
glaube, hierin liegt der Schlüssel von Te amo. Natürlich kann man es nicht mit
jedem tun. Es ist ein Geschenk. Und wenn man das Glück hat, Te amo geschenkt zu
bekommen, sollte man den Mut haben es anzunehmen.
Ich lernte Domi bei einem Workshop für Performances kennen.
Wir haben uns gleich gut verstanden. So fragte ich die tolle Tänzerin, ob wir
zusammenarbeiten wollen. Sie sagte sofort JA. Bei den Proben gingen Domi und
ich ganz offen und frei miteinander um. Alles lief von selbst und respektvoll. Ich
habe es sehr genossen. Als wir im Januar 2015 die Performance ONE das erste Mal
aufführten, waren die Zuschauer sehr erstaunt. „Wow, war das toll! So eine
offene und ehrliche Nähe.“ Das war auch der Grund, warum die Jury beim
internationalen Performancefestival 2018 in Sevilla uns den ersten Preis gab.
Domi ging zurück in ihre Heimat und lud mich nach Argentinien
ein. In Buenos Aries liefen wir Hand in Hand durch die Straßen und umarmten uns
überall wie ein Liebespaar. Ganz normal. Te amo halt.
Wenn man für die Zwischenräume von Freundschaft und
Partnerschaft offen ist, darf man Te amo auch in Europa, in Deutschland oder wo
auch immer erleben.
Im Herbst 2016 lernte ich eine deutsche Tänzerin in einem
Cafe kennen. Wir verstanden uns gut und wollten zusammenarbeiten. Bei der
ersten Probe bat sie mich, ihr mein Solostück zu zeigen. Klar gern. Als ich mit
meinem Tanz fertig war, kullerten ihre Tränen. Sie kam auf mich zu und gab mir
einen Kuss auf meine Lippen. Ich war erschrocken und genoss es zugleich.
Was war passiert? Wenn das Herz überläuft – egal, ob aus
Freude oder Trauer – fließen die Tränen. Und wenn das Herz regiert, tun wir
häufig Dinge, wo der Kopf oft nein sagen würde. Aus diesem Aspekt heraus, kann
man Te amo auch als die Sprache des Herzens bezeichnen.
Wer jetzt glaubt, es funktioniert nur zwischen unterschiedlichen
Geschlechtern, der liegt falsch. Ich habe auch viele männliche Freundschaften,
die Te amo Charakter haben.
Graben wir weiter, entdecken wir weitere Erkenntnisse.
In den 1990er Jahren war ich beim CVJM Sachsen-Anhalt
als Jugendleiter tätig. Unter anderem war es meine Aufgabe ältere Mitarbeiter
in den Ruhestand zu verabschieden. Also habe ich eine kleine Feier organisiert.
Und wie das so ist, fragt man, was war das lustigste Erlebnis etc. Auf die
Frage "Was hättest du dir manchmal gewünscht?" antworteten 95% EINE UMARMUNG.
Das hat mich zum Nachdenken gebracht.
Beim Forschen stoß ich auf das Buch "Human
touch" von Rebecca Böhme. Darin untersucht sie wie wichtig Umarmungen und
körperliche Nähe sind. Zwar wird das in Zeiten von Corona nicht gern gesehen.
Trotzdem ist es lebensnotwendig. In ihrem Buch berichtet von einem Experiment
wo Kinder isoliert aufgewachsen und nach wenigen Monaten gestorben sind.
Das Thema „Te amo“ beschäftigt mich weiter. So hatte
ich im April 2019 ein besonderes Erlebnis. Ich saß in der Frauenkirche in
Nürnberg. Meine Begleiter schauten sich die Kirche an. Ich betrachtete für mich
allein den Altar mit dem bunten Fenster. Plötzlich öffnete sich für mich das
Fenster und ich sah eine bunte Wiese. Ein warmer Wind blies mir ins Gesicht und
sagte leise: "Die Welt braucht Zwischenmenschen. Menschen, die mehr sind
als ein Freund und doch kein Partner. Und du hast diese besondere Begabung
mitbekommen.". Dann schloß sich das Fenster wieder. Ich war baff. Hatte
ich eben geträumt? Ich fragte meine Begleiter, ob sie etwas Eigenartiges
bemerkt haben. Ja, es war auf einmal ein warmer Wind. Wow, dann war es doch
kein Traum. Und ich hatte endlich eine Antwort auf meine Frage bekommen warum
ich oft mehr bin als ein Freund.
Wir dürfen Liebe, Zuneigung und Umarmungen zulassen.
Te amo.





