Dienstag, 29. Oktober 2013

Nackter Oberkörper

Eine Frau will mit mir eine Performance machen. Eine Performance mit nacktem Oberkörper. Wir wollen zeigen wie schön und unterschiedlich Gott Körper geschaffen hat. Das war ein zentrales Thema. Kurz vor der Aufführung entscheidet die Frau, die ganze Performance in Kleidung zu machen. Klar kann man seine Meinung ändern, aber vom Hauptthema abzugehen, ist einfach nicht gut. Die Enttäuschung war für mich sehr groß. Es arbeitete in mir. Sollte ich den Weg in ein Bordell wagen? Warum nicht? Ich bin eh nicht verheiratet, habe noch nie eine Frau nackt berührt. Warum nicht in ein Bordell gehen? Aber ich wollte nicht irgendwo hingehen. So ließ ich mich beraten. Das tat gut. Ich erfuhr, was man man im Bordell beachten muss. Wir suchten eine Frau aus, die zu mir passte. Ich nahm per E-Mail Kontakt zu ihr auf. Endlich war der Tag da. Aufregend, aber diese Frau war sehr angenehm und passte zu mir. Wir beide nackt Haut auf Haut. Es war eine wunderbare Erfahrung, eine nackte Frau zu berühren. Ich war total naiv. Ich hatte noch nie eine Frau berührt. Nach dem ersten Mal war es angenehm, den eigenen Körper anders wahrzunehmen. Schnell vereinbarte ich einen neuen Termin mit ihr und diesmal übernahm ich die Führung und war sehr angenehm überrascht. Beim dritten Besuch waren meine Gedanken: Jetzt hast du es ausprobiert. Nun brauche ich das nicht mehr.

Nur ein Abend


Eine junge Frau holt mich ab. Sie will mit mir ein Wochenende verbringen. Abends liegen wir nebeneinander im Bett, an mich nicht, weiter zu gehen. Gern hätte sie näher berührt. Nein, ich bin zu alt, zu behindert. Die Nacht geht vorbei. Wir erwachen. Was bleibt? Ein paar Streicheleinheiten in guter Erinnerung.

Aber, wie gehe ich mit dem Thema um? Wo finde ich einen Ausgleich? Ach ja, im Fernsehen, da laufen erotische Filme, die schaue ich mir an, die befriedigen mich.
Im Sommer fahre ich oft mit dem E-Rolli in den Park. Leicht bekleidete Frauen begegnen mir oder liegen nackt herum. Ich fahr langsam und beobachte sie. Manchmal wird der Penis steif und der Samenguss fließt.

Wieder nichts


Eine Frau mit brünettem Haar kommt mir entgegen. Der Wind lässt ihre Träger über die Schultern rutschen. Ich sehe ihr schönes Gesicht, ihre Brüste, ihre Beine, ihren ganzen Körper. Wie gerne würde ich diesen Körper anfassen. Ich kann mich nicht richtig ausdrücken. Meine Gedanken sind klar, doch heraus kommt eine kindliche Sprache, die doch eh keine Frau ernst nimmt. Ich sitze im Rollstuhl und bin verkrüppelt. Welche Frau findet das schon schön. Wir nimmt sie meinen Körper wahr? Gibt es wenigstens die winzige Chance, dass sie mich als Mann sehen könnte. Könnte sie sich jemals auch mich einlassen? Könnte sie mich lieben und begehren, wie jeden anderen Mann auch? Ich möchte sie so gerne anfassen. Ich bin nervös. Sie kommt immer näher. Mit jedem Schritt steigt die Nervosität. Wie stell ich mich nur nicht blöd an? Sie ist nun ganz nah. Geht an mir vorbei. Ich berühr ihre Hüfte, ungeschickt. Sie starrt mich an. Rennt weg. Wieder nichts.
Foto: Julian Herrfurth
Performance mit Marie Golüke